Industrieautomatisierungssicherheit: ICS-Bedrohungslandschaftsbericht Q1 2026
AutoControl GlobalAutoControl Global July 08, 2026Trends in der industriellen Cybersicherheit: Eine Analyse für das erste Quartal 2026 im Bereich der Betriebstechnologie
Die Bedrohungslage in der Industrie verändert sich im Verlauf des Jahres 2026. Daten aus dem ersten Quartal 2026 zeigen, dass 19,6 % der Computer in Umgebungen der industriellen Automatisierung auf bösartige Objekte gestoßen sind. Dieser Wert markiert einen Dreijahrestiefstand und entspricht einem Rückgang um das 1,4-fache im Vergleich zum zweiten Quartal 2023. Während dieser Abwärtstrend bei den globalen Durchschnittswerten den Anlagenleitern etwas Erleichterung verschafft, bleiben regionale Unterschiede und spezifische Verwundbarkeiten in einzelnen Sektoren kritisch.
Die regionale Sicherheitskluft
Die Cybersecurity-Exposition variiert stark je nach Region. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Nordeuropa mit 9,1 % die niedrigsten Infektionsraten. Im Gegensatz dazu war Afrika mit 27,4 % der ICS-Computer, die Bedrohungen blockierten, am stärksten gefährdet. Bemerkenswert ist, dass Südeuropa, Nordeuropa und Russland einen lokalen Anstieg bösartiger Aktivitäten erlebten. Dies deutet darauf hin, dass Angreifer ihren Fokus aktiv rotieren und Regionen ins Visier nehmen, die kürzlich ihre Infrastruktur aktualisiert oder die Internetanbindung erweitert haben.
Warum biometrische Systeme erhöhten Risiken ausgesetzt sind
Biometrische Systeme weisen derzeit das höchste Risikoprofil unter den Industriesektoren auf, mit 26,4 % der Systeme, die blockierte Bedrohungen melden. Diese Plattformen integrieren häufig Internetzugang für Echtzeit-Authentifizierung und sind stark auf E-Mails für administrative Genehmigungen angewiesen. Nach unserer Erfahrung setzen viele Organisationen diese Systeme ohne ausreichende OT-spezifische Sicherheitsmaßnahmen ein. Dadurch fungieren sie als primäre Einstiegspunkte für Angreifer. Tatsächlich sind biometrische Systeme der einzige Sektor, in dem E-Mail-basierte Bedrohungen Internetangriffe übertreffen.
Bösartige Skripte und Phishing dominieren
Phishing-Seiten und bösartiges JavaScript (JS/HTML) bleiben die führende Bedrohungskategorie und betreffen weltweit 6,56 % der industriellen Systeme. In Südeuropa kam es zu einem deutlichen Anstieg dieses Vektors auf 9,85 %. Diese Skripte umgehen oft traditionelle Perimeterschutzmaßnahmen, indem sie menschliches Verhalten ausnutzen statt Software-Schwachstellen. Wir empfehlen Anlagenbetreibern, über einfache Firewalls hinauszugehen und strenge Endpoint Detection and Response (EDR)-Lösungen einzuführen, die speziell für DCS- und PLC-Netzwerke ausgelegt sind.
Steigende Trends bei Spyware und Internetressourcen
Trotz eines allgemeinen Rückgangs in einigen Kategorien bleibt Spyware die zweithäufigste Bedrohung und trifft 3,73 % der ICS-Arbeitsstationen. Russland verzeichnete insbesondere bei Ingenieur- und ICS-Integrationsfirmen ein stetiges Wachstum bei Spyware. Zudem erlebten in Q1 2026 gesperrte Internetressourcen eine Wiederbelebung und erreichten 3,54 %. Die Strom- und Bausektoren in Südostasien verzeichneten die meisten Zugriffe auf diese eingeschränkten Domains, vermutlich aufgrund unzureichender Webfilter-Richtlinien am Netzwerkgateway.
Experteneinsichten zur Härtung industrieller Netzwerke
Der Rückgang von Würmern und Viren ist ein positives Zeichen für eine verbesserte industrielle Hygiene. Dennoch birgt die Abhängigkeit von internetverbundenen OT-Anlagen Risiken, die durch traditionelle Air-Gapping-Maßnahmen nicht behoben werden können. Wir empfehlen Folgendes:
- Einführung eines „Zero Trust“-Modells für alle HMI- und Engineering-Arbeitsstationen.
- Beschränkung des Internetzugangs auf Maschinen, die DCS- oder SCADA-Management-Software ausführen.
- Durchsetzung strenger Richtlinien für Wechseldatenträger, um die Verbreitung ruhender Malware zu verhindern.
Anwendungsszenarien und Lösungen
Um diesen anhaltenden Bedrohungen zu begegnen, sollten Unternehmen segmentierte Netzwerkarchitekturen nutzen.
- Szenario: Eine Fertigungsanlage in Westeuropa verzeichnet vermehrte Phishing-Versuche.
- Lösung: Einsatz eines Industrial Intrusion Detection Systems (IIDS) zur Überwachung des Datenverkehrs zwischen dem Unternehmens-IT-Netzwerk und der Produktions-OT-Zone.
- Szenario: Ein Energieversorger in Südostasien hat Probleme mit Zugriffen auf gesperrte Internetressourcen.
- Lösung: Implementierung eines sicheren industriellen Gateways, das Deep Packet Inspection (DPI) durchführt und den Zugriff auf nicht verifizierte externe Domains blockiert, um unautorisierte Kommunikation von PLCs oder Steuerungsservern zu verhindern.
